Ernährung
Essen in den ersten drei Jahren
Von der Milch über den Beikoststart bis zu Allergenen, Verschluckungsrisiko, der Frage Brei oder Hand und dem Essen im Kleinkindalter.
Im ersten Jahr verändert sich die Ernährung deines Babys stärker als in jeder späteren Lebensphase. Dieser Leitfaden folgt dem zeitlichen Verlauf: erst Milch, dann der Übergang, dann das Essen vom Tisch.
Die Milchzeit
Am Anfang steht die Frage, die viele Eltern in den ersten Wochen umtreibt: Bekommt mein Baby genug? Die Antwort nennt Zeichen, an denen du dich orientieren kannst, und sagt dazu, dass diese Zeichen aus dem Erfahrungswissen der Fachgesellschaften stammen und nicht aus Interventionsstudien. Direkt danach die Frage nach Wasser und Tee, die eng damit zusammenhängt.
Der Übergang zur Beikost
Es folgen der Beikoststart und die Allergene. Beim Startzeitpunkt gibt es ein Fenster, und die Antwort macht deutlich, dass sowohl ein früherer Beginn innerhalb dieses Fensters als auch längeres ausschließliches Stillen darin liegen; die neuere deutsche Empfehlung liegt am oberen Rand. Danach Vitamin D und Fluorid, weil beides den ganzen Übergang begleitet.
Was auf dem Teller nichts zu suchen hat
Zwei Antworten gehören zusammen: welche Lebensmittel im ersten Jahr noch nicht dazugehören, und woran sich ein Baby verschlucken kann. Zum Schluss die Grundsatzfrage Brei oder Hand. Dort ist für keine der beiden Methoden eine Überlegenheit belegt, und die Antwort sagt genau, welche Variante überhaupt untersucht wurde.
Das Kleinkindalter zwischen eins und drei
Mit dem ersten Geburtstag hört das Thema nicht auf, es dreht sich nur. Aus „Bekommt mein Baby genug?“ wird „Warum isst mein Kind auf einmal kein Gemüse mehr?“. Die drei Antworten am Ende dieses Leitfadens gehören zum Kleinkindalter: das wählerische Essen, das nach den deutschen Handlungsempfehlungen zwischen zwei und sechs Jahren seinen Höhepunkt erreicht; die Milchmenge und die Frage, ob spezielle Kindermilch nötig ist; und die vegetarische oder vegane Ernährung. Bei der letzten sagen die Quellen selbst am deutlichsten, wie dünn die Studienlage ist, und die Antwort gibt das ungeglättet wieder.
Die Antworten stützen sich auf das Netzwerk Gesund ins Leben, das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, das Bundesinstitut für Risikobewertung, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, das Ernährungskomitee der ESPGHAN und die AWMF-Leitlinie zur Allergieprävention.
Wenn dein Kind beim Essen keine Luft mehr bekommt, gilt sofort der Notruf 112; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Die Antworten in dieser Reihenfolge
- Ist das normal?Moderate Evidenz
Woran erkenne ich, ob mein Baby genug Milch bekommt?
Genug Milch bekommt dein Baby, wenn es sechs bis acht nasse Windeln und in den ersten vier Wochen zwei oder mehr Stuhlwindeln in 24 Stunden hat, lebhaft und aufmerksam wirkt und sein Geburtsgewicht spätestens nach zehn Tagen wieder erreicht. Diese Zeichen stammen aus dem Erfahrungswissen der Fachgesellschaften und nicht aus Interventionsstudien, und einzelne unruhige Tage sagen für sich genommen nichts.
- Was tun?Moderate Evidenz
Ab wann darf mein Baby Wasser oder Tee trinken?
Solange dein Baby ausschließlich gestillt wird oder Säuglingsmilchnahrung bekommt, braucht es keine zusätzlichen Getränke; Wasser gehört ab dem dritten Beikostbrei dazu, meist mit sieben bis neun Monaten. Fieber und Durchfall können eine frühere Flüssigkeitsgabe nötig machen, und größere Mengen Wasser können bei jungen Säuglingen eine Wasservergiftung auslösen.
- Was tun?Moderate Evidenz
Wann sollte ich mit Beikost beginnen?
Beikost sollte frühestens mit Beginn des fünften und spätestens mit Beginn des siebten Monats eingeführt werden, und zwar dann, wenn dein Baby die Reifezeichen zeigt. Die neue deutsche Leitlinie zur Stilldauer empfiehlt sechs Monate ausschließliches oder überwiegendes Stillen und liegt damit am oberen Rand dieses Fensters.
- Was tun?Moderate Evidenz
Soll ich Erdnuss und Ei früh einführen, um Allergien vorzubeugen?
Durcherhitztes Hühnerei sollte nach der deutschen S3-Leitlinie Allergieprävention mit der Beikost eingeführt und regelmäßig gegeben werden, Erdnussprodukte in altersgerechter Form kann man bei Neurodermitis und regelmäßigem Erdnusskonsum in der Familie erwägen. Für Erdnuss ist das nur eine Kann-Empfehlung, und bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis soll vorher ärztlich eine Erdnussallergie ausgeschlossen werden.
- Was tun?Moderate Evidenz
Wie lange braucht mein Baby Vitamin D und Fluorid?
Vitamin D bekommt dein Baby täglich bis zum zweiten erlebten Frühsommer, je nach Geburtszeitpunkt also etwa 12 bis 18 Monate lang. Fluorid gehört von Anfang an dazu, ab dem ersten Milchzahn aber wahlweise als Tablette oder als fluoridhaltige Zahnpasta, denn beides zusammen ist nicht vorgesehen.
- Was tun?Moderate Evidenz
Was darf mein Baby im ersten Jahr noch nicht essen oder trinken?
Im ersten Lebensjahr gehören Honig, rohe tierische Lebensmittel, kleine harte Lebensmittel, stark Gesalzenes und Kuhmilch als Getränk nicht auf den Speiseplan deines Babys. Nur beim Honig geht es um eine seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung, bei den übrigen Regeln um Infektionen, ums Verschlucken und um langfristige Nachteile.
- Was tun?Moderate Evidenz
An welchen Lebensmitteln kann sich mein Baby verschlucken?
Gefährlich sind kleine, harte, glatte oder runde Lebensmittel wie ganze Nüsse, rohes Wurzelgemüse, ganze Weintrauben, Fleischstücke, harte Bonbons und Kaugummi. Aufsicht allein macht sie nicht sicher; sie müssen weggelassen oder in weiche, kleine Stücke verwandelt werden.
- Mythos-CheckModerate Evidenz
Ist Baby-led Weaning besser als Brei?
Nein, eine Überlegenheit ist für keine der beiden Methoden belegt; die am besten untersuchte randomisierte Studie fand keinen Unterschied bei Gewichtsverlauf, Verschlucken und Eisenversorgung. Sie prüfte allerdings eine abgewandelte Form von Baby-led Weaning mit gezielter Beratung zu Verschluckungsrisiko und eisenreichen Lebensmitteln, nicht die freie Variante.
- Ist das normal?Moderate Evidenz
Ist es normal, dass mein Kleinkind kaum Gemüse isst?
Ja: Nach den deutschen Handlungsempfehlungen sind Kinder bis etwa zwei Jahre für neue Geschmackserfahrungen besonders offen, danach erreicht die Ablehnungsphase zwischen zwei und sechs Jahren ihren Höhepunkt, und in beiden Phasen erhöht wiederholtes Anbieten ohne Zwang die Akzeptanz. In die Kinderarztpraxis gehört es, wenn dein Kind übermäßig wählerisch ist, feste Nahrung verweigert oder du dir Sorgen um sein Gewicht machst.
- Was tun?Moderate Evidenz
Wie viel Milch braucht mein Kind zwischen eins und drei, und ist Kindermilch nötig?
Für Kinder von einem bis drei Jahren sehen die deutschen Empfehlungen insgesamt etwa 300 ml Milch am Tag vor, wobei Joghurt und Käse mitzählen. Spezielle Kindermilch ist dafür nicht nötig; die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit und das Netzwerk Gesund ins Leben sagen das übereinstimmend.
- Was tun?Moderate Evidenz
Kann ich mein Kleinkind vegetarisch oder vegan ernähren?
Vegetarisch mit Milchprodukten und Eiern ist im Kleinkindalter möglich, wenn du besonders auf Eisen und Zink achtest. Vegan wird in Deutschland für Kleinkinder nicht empfohlen; die Handlungsempfehlungen begründen das mit möglichen Risiken und mit einer unzureichenden Datenlage und verlangen bei veganer Ernährung ein Vitamin-B12-Präparat, ärztliche Kontrolle und Beratung.