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Stand: 10.09.2026 · Version 2
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Ernährung
Ab wann darf mein Baby Wasser oder Tee trinken?
Solange dein Baby ausschließlich gestillt wird oder Säuglingsmilchnahrung bekommt, braucht es keine zusätzlichen Getränke; Wasser gehört ab dem dritten Beikostbrei dazu, meist mit sieben bis neun Monaten. Fieber und Durchfall können eine frühere Flüssigkeitsgabe nötig machen, und größere Mengen Wasser können bei jungen Säuglingen eine Wasservergiftung auslösen.
Redaktionell geprüft, noch ohne Fachreview.
Was nachweislich hilft
Die deutsche Empfehlung knüpft den Zeitpunkt nicht an ein Alter, sondern an den Stand der Beikost.
Die Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben lauten: „Mit der Einführung des 3. Beikostbreis sollte dem Säugling zusätzlich zu Muttermilch oder Säuglings(milch)nahrung Wasser zur Flüssigkeitszufuhr angeboten werden.“
Quellen: Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) / Monatsschrift Kinderheilkunde 2024
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (vormals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) übersetzt das in ein Alter: Erst wenn die dritte Breimahlzeit eingeführt ist, braucht dein Baby zusätzlich zu Muttermilch oder Säuglingsmilch Flüssigkeit wie Wasser oder andere ungesüßte Getränke, je nach Beikostbeginn also meist mit 7 bis 9 Monaten.
Quellen: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2025
Die Begründung: „Solange ein Säugling noch ausschließlich gestillt oder mit Säuglingsanfangsnahrung ernährt wird, braucht er keine zusätzlichen Getränke. Muttermilch und Säuglings(milch)nahrung enthalten genügend freies Wasser, sodass ein gesunder Säugling auch bei sommerlichen Umgebungstemperaturen alle harnpflichtigen Stoffe ausscheiden kann.“
Quellen: Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) / Monatsschrift Kinderheilkunde 2024
Warum sich das mit der Beikost ändert, erklärt dieselbe Quelle: „Mit steigendem Anteil an Beikost sinkt die Gesamtwasserzufuhr, bezogen auf die Energieaufnahme. Gleichzeitig steigt die renale Molenlast. Zudem erhöht sich mit zunehmendem Alter des Säuglings die Wasserabgabe über Haut und Lungen sowie durch den Stuhl.“
Quellen: Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) / Monatsschrift Kinderheilkunde 2024
Eine Ausnahme nennen die Handlungsempfehlungen ausdrücklich: „Perioden mit Fieber, Durchfall usw. können eine frühere Gabe von Flüssigkeit erforderlich machen.“
Quellen: Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) / Monatsschrift Kinderheilkunde 2024
Beim Getränk selbst ist die Empfehlung eindeutig.
„Das beste Getränk für Säuglinge ist Wasser.“
Quellen: Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) / Monatsschrift Kinderheilkunde 2024
„Trinkwasser (Leitungswasser) ist dafür am besten geeignet. Es muss nicht abgekocht werden, aber so lange ablaufen, bis kaltes Wasser aus der Leitung fließt.“
Quellen: Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) / Monatsschrift Kinderheilkunde 2024
„Es soll kein Trinkwasser aus Bleileitungen verwendet werden. Trinkwasser aus Hausbrunnen sollte nur bei vorliegender Bestätigung einer einwandfreien Wasserqualität verwendet werden.“
Quellen: Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) / Monatsschrift Kinderheilkunde 2024
„Für Säuglinge geeignete ungesüßte Kräuter- und andere Tees können eine Alternative sein. Da einige (Kräuter-)Tees, wie Pfefferminz-, Kamillen- oder Melissentee, hohe Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden aufweisen, sollten sie Säuglingen und älteren Kindern nicht als einziges Getränk angeboten werden.“
Quellen: Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) / Monatsschrift Kinderheilkunde 2024
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit begründet die Tee-Einschränkung anders: Heilkräutertees wie Kamillentee solle ein Kind nur bei Krankheit bekommen, Pfefferminz- und Melissentee nicht jeden Tag, denn „für die darin enthaltenen ätherischen Öle kann eine gesundheitsschädigende Wirkung bei Dauereinsatz nicht ausgeschlossen werden“. Am besten wechselt man die Teesorten ab.
Quellen: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2025
„Wasser bzw. andere Getränke sollten aus Becher oder Tasse angeboten werden.“
Quellen: Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) / Monatsschrift Kinderheilkunde 2024
Davon getrennt steht die Empfehlung: „Dauernuckeln und die ‚Flasche zum Einschlafen‘ sollen unbedingt vermieden werden, da ein hohes Risiko für Zahnschäden besteht.“
Quellen: Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) / Monatsschrift Kinderheilkunde 2024
Was nicht hilft
Zusätzliches Wasser für ein voll gestilltes Baby im Sommer ist eine verbreitete, aber nicht empfohlene Idee. Die Milch deckt den Bedarf auch bei Hitze. Umgekehrt gilt: Wenn du deinem Baby vor dem Beikoststart etwas zu trinken geben willst, ist Wasser oder ein für Säuglinge geeigneter ungesüßter Tee die richtige Wahl, nicht gesüßter Tee oder Saft.
Die S3-Leitlinie Stilldauer von 2025 unterscheidet ausschließliches Stillen, bei dem keine weiteren Flüssigkeiten gegeben werden, von überwiegendem Stillen, bei dem zusätzlich Flüssigkeiten wie Wasser oder Tee gegeben werden. Beides zusammen gilt als Vollstillen, und beides erfüllt ihre Empfehlung, bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich oder überwiegend zu stillen.
Quellen: DGKJ / DGGG / DGHWi / AWMF 2025
Was schadet
Zwei Dinge schaden nachweislich: Zucker im Getränk und zu viel Wasser bei sehr jungen Säuglingen.
Ein ständiges Umspülen der Zähne mit zuckerhaltigen Getränken, einschließlich Muttermilch und Säuglings(milch)nahrung, erhöht das Risiko für Zahnkaries, insbesondere für Frontzahnkaries. Vom Dauergebrauch der Flasche, von der Flasche zum Einschlafen und von zuckerhaltigen Getränken wie gesüßten Tees und Fruchtsäften wird deshalb dringend abgeraten.
Quellen: Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) / Monatsschrift Kinderheilkunde 2024
Zum Mechanismus schreibt die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde: Zusätzliches Wasser stört das Gleichgewicht der Elektrolyte und Mineralstoffe wie Kalzium, Natrium und Kalium, und das kann zu ernsten Gesundheitsproblemen bis hin zu Krampfanfällen führen. Sie nennt diesen Zustand water intoxication, also Wasservergiftung.
Quellen: American Academy of Pediatrics (HealthyChildren.org) 2026
Derselbe Weg entsteht durch zu stark verdünnte Flaschennahrung. Dieselbe Quelle rät deshalb, Säuglingsnahrung immer nach Herstellerangabe anzurühren, sofern du keine geänderten Anweisungen für ein Kind mit besonderen gesundheitlichen Bedürfnissen bekommen hast.
Quellen: American Academy of Pediatrics (HealthyChildren.org) 2026
Wie real das ist, zeigt eine Fallserie aus einem Kinderkrankenhaus in St. Louis: Zwischen 1975 und 1990 wurden dort 34 Patienten mit Wasservergiftung behandelt, 24 davon in den letzten drei Jahren des Zeitraums. Einunddreißig davon waren Säuglinge, die in Armut lebten und übermäßige Wassermengen zu sich nahmen, die ihnen zu Hause von ihren Betreuungspersonen angeboten wurden. Der häufigste genannte Grund war, dass die Säuglingsnahrung ausgegangen war.
Diese Fallserie ist alt und stammt aus einem anderen Gesundheitssystem. Sie beweist nichts über die Häufigkeit in Deutschland heute, und ihr Abstract nennt keine Mengenschwelle. Ihre eigentliche Schlussfolgerung ist sozialpolitisch: Die Autoren fordern, das amerikanische Lebensmittelhilfsprogramm so zu ändern, dass genug Säuglingsnahrung zur Verfügung steht. Das deutsche Gegenstück zu dem beschriebenen Muster ist das Strecken der Flaschennahrung, wenn das Geld knapp wird. Genau dann ist die Kinderarztpraxis der richtige Ort, und niemand muss sich dafür schämen.
Quellen
- Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen 2024: Teilaktualisierte Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben · Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) / Monatsschrift Kinderheilkunde, 2024 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · DOI 10.1007/s00112-024-02014-7 · abgerufen 2026-09-05
- Getränke im ersten Lebensjahr · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de, 2025 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
- S3-Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung (AWMF 027-072), Langfassung, Version 1.0 · DGKJ / DGGG / DGHWi / AWMF, 2025 · Leitlinie · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-06
- How to Safely Prepare Baby Formula With Water · American Academy of Pediatrics (HealthyChildren.org), 2026 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
- Oral water intoxication in infants: An American epidemic · American Journal of Diseases of Children, 1991 · Fallserie · Stufe 3: Primärstudie · DOI 10.1001/archpedi.1991.02160090037018 · abgerufen 2026-09-05
Versionshistorie
- v2 · 10. September 2026 · Redaktionell gelesen und freigegeben. (Redaktion)
- v1 · 5. September 2026 · Erstfassung (Redaktion)
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