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Eltern-Wiki

Eltern-Wiki · https://eltern-wiki.de/antworten/soll-ich-erdnuss-und-ei-frueh-einfuehren-um-allergien-vorzubeugen

Stand: 09.09.2026 · Version 4

Kein Ersatz für ärztliche Beratung. Im Notfall 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117.

Ernährung

Soll ich Erdnuss und Ei früh einführen, um Allergien vorzubeugen?

Was tun?Moderate EvidenzAlter: 4 bis 12 MonateGeprüft am 9. September 2026

Durcherhitztes Hühnerei sollte nach der deutschen S3-Leitlinie Allergieprävention mit der Beikost eingeführt und regelmäßig gegeben werden, Erdnussprodukte in altersgerechter Form kann man bei Neurodermitis und regelmäßigem Erdnusskonsum in der Familie erwägen. Für Erdnuss ist das nur eine Kann-Empfehlung, und bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis soll vorher ärztlich eine Erdnussallergie ausgeschlossen werden.

Redaktionell geprüft, noch ohne Fachreview.

Was nachweislich hilft

Die maßgebliche deutsche Quelle ist die S3-Leitlinie Allergieprävention von 2022. Wir geben ihre Empfehlungen im Wortlaut wieder, weil der Unterschied zwischen „sollte“ und „kann“ hier die eigentliche Antwort ist.

Moderate Evidenz#a1

Die Gültigkeit dieser Leitlinie wurde am 26. Januar 2026 nach inhaltlicher Überprüfung durch das Leitliniensekretariat bis zum 6. Dezember 2026 verlängert. Ihr Kapitel zur Beikost wurde mit starkem Konsens verabschiedet. Die neuere S3-Leitlinie Stilldauer vermerkt, dass sich die Leitlinie Allergieprävention „aktuell in inhaltlicher Überarbeitung befindet“.

Quellen: DGAKI / DGKJ / AWMF 2022, DGKJ / DGGG / DGHWi / AWMF 2025

Einspruch oder Ergänzung

Moderate Evidenz#a2

Die S3-Leitlinie Allergieprävention empfiehlt mit Empfehlungsgrad B: „Zur Prävention der Hühnereiallergie sollte durcherhitztes (z. B. verbackenes oder hartgekochtes), aber nicht ‚rohes‘ Hühnerei (auch kein Rührei) mit der Beikost eingeführt und regelmäßig gegeben werden.“

Quellen: DGAKI / DGKJ / AWMF 2022

Einspruch oder Ergänzung

Moderate Evidenz#a3

Für Erdnuss ist die Empfehlung deutlich zurückhaltender und trägt nur Empfehlungsgrad C: „Zur Prävention der Erdnussallergie kann bei Säuglingen mit atopischer Dermatitis in Familien mit regelmäßigem Erdnusskonsum im Zuge der Beikost-Einführung erwogen werden, Erdnussprodukte in altersgerechter Form (z. B. Erdnussbutter) einzuführen und regelmäßig weiter zu geben.“

Quellen: DGAKI / DGKJ / AWMF 2022

Einspruch oder Ergänzung

Moderate Evidenz#a4

Die Leitlinie begründet ihre Zurückhaltung damit, dass sie die internationale Empfehlung zur gezielten Erdnusseinführung für Länder mit hoher Erdnussallergie-Prävalenz nicht übernimmt, weil Deutschland nicht als solches Land einzuordnen ist.

Quellen: DGAKI / DGKJ / AWMF 2022

Einspruch oder Ergänzung

Moderate Evidenz#a5

Als Statement mit starkem Konsens hält die Leitlinie außerdem fest, dass es Hinweise auf einen schützenden Effekt einer vielfältigen Ernährung im ersten Lebensjahr gibt. Dazu zählt sie ausdrücklich Fisch, eine begrenzte Menge von bis zu 200 ml Milch beziehungsweise Naturjoghurt pro Tag sowie Hühnerei im Rahmen der Beikost.

Quellen: DGAKI / DGKJ / AWMF 2022

Einspruch oder Ergänzung

Hinter der Ei-Empfehlung und der Erdnuss-Erwägung stehen zwei große randomisierte Studien aus Großbritannien. Ihre Ergebnisse sind unterschiedlich stark.

Moderate Evidenz#a6

Die randomisierte LEAP-Studie teilte 640 Säuglinge, die bei der Zuteilung mindestens 4 Monate, aber jünger als 11 Monate alt waren und ein schweres Ekzem, eine Hühnereiallergie oder beides hatten, in eine Erdnuss-Meidungsgruppe und eine Erdnuss-Verzehrgruppe. In der Auswertung nach Behandlungsabsicht hatten von den 530 Kindern mit negativem Hauttest mit 60 Monaten 13,7 Prozent der Meidungsgruppe und 1,9 Prozent der Verzehrgruppe eine Erdnussallergie (P < 0,001), von den 98 Kindern mit positivem Hauttest von 1 bis 4 mm waren es 35,3 gegenüber 10,6 Prozent (P = 0,004); das entspricht einer relativen Risikoreduktion von 86,1 beziehungsweise 70,0 Prozent.

Quellen: The New England Journal of Medicine 2015

Einspruch oder Ergänzung

Moderate Evidenz#a7

Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse unterschieden sich in derselben Studie zwischen den Gruppen nicht bedeutsam, und es gab keine Todesfälle.

Quellen: The New England Journal of Medicine 2015

Einspruch oder Ergänzung

Moderate Evidenz#a8

Bei allen unerwünschten Ereignissen zusammen gab es dagegen einen Unterschied: In der Verzehrgruppe wurden mehr Ereignisse erfasst als in der Meidungsgruppe (4527 gegenüber 4287; P = 0,02). Häufiger in der Verzehrgruppe waren Infekte der oberen Atemwege, virale Hautinfektionen, Magen-Darm-Infekte, Nesselsucht und Bindehautentzündungen; sie waren überwiegend leicht oder mittelschwer.

Quellen: The New England Journal of Medicine 2015

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Was nicht hilft

Sechs Allergene gleichzeitig ab dem dritten Monat einzuführen, hat sich in der einzigen Studie, die das geprüft hat, nicht bewährt.

Moderate Evidenz#a9

Die randomisierte EAT-Studie führte bei 1.303 ausschließlich gestillten Säuglingen aus der Allgemeinbevölkerung ab dem Alter von 3 Monaten sechs allergene Lebensmittel ein (Erdnuss, gekochtes Hühnerei, Kuhmilch, Sesam, Weißfisch, Weizen). In der Auswertung nach Behandlungsabsicht entwickelten 7,1 Prozent der Standardgruppe (42 von 595) und 5,6 Prozent der Frühgruppe (32 von 567) eine Nahrungsmittelallergie; das relative Risiko betrug 0,80 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,51 bis 1,25; P = 0,32).

Quellen: The New England Journal of Medicine 2016

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Moderate Evidenz#a10

Nur in der Auswertung der protokollgetreuen Teilnehmenden war die Frühgruppe im Vorteil: 2,4 gegenüber 7,3 Prozent für irgendeine Nahrungsmittelallergie (P = 0,01), 0 gegenüber 2,5 Prozent für Erdnuss (P = 0,003) und 1,4 gegenüber 5,5 Prozent für Hühnerei (P = 0,009). Protokollgetreu waren 42,8 Prozent der Frühgruppe, deren Ergebnis überhaupt bestimmt werden konnte (208 von 486), das sind 31,9 Prozent aller Kinder der Frühgruppe; deshalb ist dieser Vergleich keine randomisierte Aussage mehr.

Quellen: The New England Journal of Medicine 2016

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Moderate Evidenz#a11

Die Autorinnen und Autoren fassen zusammen, die Studie habe die Wirksamkeit der frühen Einführung allergener Lebensmittel in der Auswertung nach Behandlungsabsicht nicht gezeigt; weitere Analysen hätten die Frage aufgeworfen, ob die Vorbeugung einer Nahrungsmittelallergie durch die frühe Einführung mehrerer allergener Lebensmittel dosisabhängig sei. Die frühe Einführung aller sechs Lebensmittel sei nicht leicht umzusetzen, aber sicher gewesen.

Quellen: The New England Journal of Medicine 2016

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Moderate Evidenz#a12

Umgekehrt gilt: Allergene wegzulassen hilft nicht. Die Leitlinie hält mit Empfehlungsgrad A fest, dass es für einen präventiven Effekt der Meidung potenter Nahrungsmittelallergene im ersten Lebensjahr keine Belege gibt und sie deshalb nicht erfolgen soll. Sie weist zu dieser Empfehlung allerdings keine eigenen Studien aus: „Studien zur Restriktionsaussage fehlen, Aussage stützt sich auf vergangene Aussagen und bzgl. NMA auf die EAACI Guideline.“

Quellen: DGAKI / DGKJ / AWMF 2022

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Was schadet

Moderate Evidenz#a13

Rohes oder nicht ausreichend erhitztes Hühnerei war nicht mit einem Nutzen, aber mit dem Risiko schwerer allergischer Reaktionen verbunden und wird zur Vorbeugung nicht empfohlen. Das schließt Rührei, weichgekochtes Ei sowie Schaumküsse und Makronen ein.

Quellen: DGAKI / DGKJ / AWMF 2022

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Moderate Evidenz#a14

„Altersgerechte Form“ bedeutet nach der Leitlinie ausdrücklich nicht ganze Erdnüsse und nicht Erdnüsse in Stücken, und zwar „wegen der Aspirationsgefahr“.

Quellen: DGAKI / DGKJ / AWMF 2022

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Moderate Evidenz#a15

Für Kleinkinder empfiehlt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (vormals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) Nüsse „entweder in Form von Nussmus oder fein gemahlen“, beim Mus „reines Mus … ohne weitere Zutaten wie Zucker, Fett oder Salz“. Gemahlene Nüsse schmecken zum Beispiel eingerührt in Joghurt oder Haferbrei: „Unverarbeitet sollten Kleinkinder keine gemahlenen Nüsse bekommen – sie können das feine, trockene Mehl einatmen und sich verschlucken.“

Quellen: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2025

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Es gibt hier eine Abweichung zwischen der deutschen und der internationalen Empfehlung. Referenz ist für uns die deutsche Leitlinie; die internationale Position nennen wir, damit du sie einordnen kannst, wenn sie dir begegnet.

Moderate Evidenz#a16

Das europäische Positionspapier zur Beikost von 2017 geht weiter als die deutsche Leitlinie: Säuglinge mit hohem Risiko für eine Erdnussallergie, also mit schwerem Ekzem, Hühnereiallergie oder beidem, sollten demnach zwischen 4 und 11 Monaten Erdnuss eingeführt bekommen, nach Beurteilung durch eine entsprechend geschulte Fachperson.

Quellen: ESPGHAN 2017

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Quellen

  1. S3-Leitlinie Allergieprävention (AWMF 061-016) · DGAKI / DGKJ / AWMF, 2022 · Leitlinie · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
  2. S3-Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung (AWMF 027-072), Langfassung, Version 1.0 · DGKJ / DGGG / DGHWi / AWMF, 2025 · Leitlinie · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-06
  3. Randomized Trial of Peanut Consumption in Infants at Risk for Peanut Allergy (LEAP) · The New England Journal of Medicine, 2015 · Randomisierte Studie · Stufe 3: Primärstudie · DOI 10.1056/NEJMoa1414850 · abgerufen 2026-09-05
  4. Randomized Trial of Introduction of Allergenic Foods in Breast-Fed Infants (EAT) · The New England Journal of Medicine, 2016 · Randomisierte Studie · Stufe 3: Primärstudie · DOI 10.1056/NEJMoa1514210 · abgerufen 2026-09-05
  5. Nüsse für Kleinkinder: Tipps für Eltern · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de, 2025 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
  6. Complementary Feeding: A Position Paper by the ESPGHAN Committee on Nutrition · ESPGHAN, 2017 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · DOI 10.1097/MPG.0000000000001454 · abgerufen 2026-09-05
  7. S2k-Leitlinie Akuttherapie und Management der Anaphylaxie, Update 2021 (AWMF 061-025), Langfassung · DGAKI / AeDA / GPA / DDG / BVKJ / AWMF, 2021 · Leitlinie · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05

Versionshistorie

  • v4 · 9. September 2026 · Redaktionell gelesen und freigegeben. (Redaktion)
  • v3 · 8. September 2026 · Freigabe-Anhang A Punkt 5-03: pubmed_suche eingetragen (Cluster Ernährung, aktive Forschung zur frühen Allergenexposition) (Redaktion)
  • v2 · 8. September 2026 · Konsistenzentscheidung Freigabe-Sitzung Punkt 4a: Empfehlungsgrad B bleibt moderat, nicht stark (a2 korrigiert) (Redaktion)
  • v1 · 5. September 2026 · Erstfassung (Redaktion)

Nächste planmäßige Prüfung: 9. September 2027. Du hältst eine Aussage für falsch? Der Link „Einspruch oder Ergänzung“ steht an jeder Aussage, und jede Entscheidung darüber ist unter Einsprüche öffentlich.

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