Zum Inhalt springen
Eltern-Wiki

Fieber & Infekte

Fieber und Infekte

Ab wann Fieber zählt, wann du etwas tun musst, wie viele Infekte dazugehören, was an Antibiotika und Honig dran ist und was im Kleinkindalter dazukommt.

Ein heißes Baby mitten in der Nacht bringt Eltern zuverlässig aus der Ruhe. Die Fragen, die dann kommen, sind fast immer dieselben, und sie liegen in einer bestimmten Reihenfolge: Ist das schon Fieber? Muss ich etwas dagegen tun? Und wann muss jemand mit Ahnung draufschauen?

Erst einordnen

Der Leitfaden beginnt deshalb mit der Grenze und mit dem Punkt, an dem ein Anruf in der Praxis fällig ist. Danach folgt die Frage, ob und womit du Fieber senkst. Beide Antworten machen deutlich, dass die Höhe der Temperatur nicht allein entscheidet, und beide sagen, worauf du stattdessen schaust.

Dann die Ausnahmesituation

Der Fieberkrampf steht bewusst an dritter Stelle: Er ist die Situation, in der Eltern am meisten erschrecken, und die Antwort sagt Schritt für Schritt, was in diesen Minuten zu tun ist.

Zum Schluss die wiederkehrenden Fragen

Danach geht es um die Infekthäufigkeit, also darum, wie viele Erkältungen zu einem normalen ersten Jahr gehören. Die Antwort nennt Zahlen, sagt aber auch offen, dass sich keine saubere Grenze zwischen normal und auffällig ziehen lässt. Zum Schluss zwei verbreitete Annahmen: dass hohes Fieber ein Antibiotikum nötig macht, und dass Honig gegen Husten hilft.

Und dann kommt die Kita

Mit dem zweiten Lebensjahr ändert sich die Lage: Das Kind ist tagsüber mit vielen anderen Kindern zusammen, die Infekte häufen sich, und zu jeder Erkrankung kommt eine zweite Frage dazu — die nach der Rückkehr in die Betreuung. Drei Antworten decken dieses Alter ab. Die erste trennt, was das Infektionsschutzgesetz wirklich vorschreibt, von dem, was die Kita als Hausregel vereinbart hat, und ordnet die verbreitete Regel „24 Stunden fieberfrei“ ein. Die zweite nimmt sich die Mittelohrentzündung vor, die häufigste Gelegenheit, bei der Eltern ein Antibiotikum angeboten bekommen: Sie nennt Nutzen und Schaden in Zahlen und sagt, für welche Kinder die deutsche Leitlinie nicht abwarten lässt. Die dritte behandelt den Pseudokrupp, der fast immer nachts kommt, und sagt, wo bei ihm die Grenze zwischen Praxis und Notruf liegt.

Die Antworten stützen sich auf die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, auf die S2k-Leitlinie zur Antibiotikatherapie bei Hals-Nasen-Ohren-Infektionen, auf Cochrane-Übersichtsarbeiten, auf die Wiederzulassungsempfehlungen des Robert Koch-Instituts, auf das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit sowie beim Honig auf das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Bei Lebensgefahr gilt immer der Notruf 112, außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Die Antworten in dieser Reihenfolge

  1. Ist das normal?Moderate Evidenz

    Ab wann hat mein Baby Fieber, und ab wann muss ich zum Arzt?

    Fieber beginnt bei Kindern ab 38,5 Grad Celsius, bei Babys unter drei Monaten schon ab 38,0 Grad Celsius im Po gemessen. Ein Baby unter drei Monaten mit 38,0 Grad Celsius oder mehr muss immer noch am selben Tag ärztlich untersucht werden, bei älteren Babys entscheiden Warnzeichen und Allgemeinzustand, nicht die Höhe der Temperatur.

  2. Was tun?Moderate Evidenz

    Wann und womit soll ich Fieber bei meinem Baby senken?

    Senke das Fieber nicht wegen der Zahl auf dem Thermometer, sondern nur dann, wenn dein Kind sichtlich darunter leidet; geeignet sind dann Paracetamol oder, ab einem Alter von drei Monaten, Ibuprofen. Belegt ist damit die Linderung von Beschwerden, nicht ein besserer Krankheitsverlauf, und unter drei Monaten gehört jedes Fieber zuerst in die Praxis.

  3. Was tun?Moderate Evidenz

    Was tun bei einem Fieberkrampf, und wie gefährlich ist er?

    Ein Fieberkrampf wirkt bedrohlich, hört aber meistens nach wenigen Minuten von selbst auf und bleibt in der Regel ohne gesundheitliche Folgen. Bleib bei deinem Kind, lagere es auf die Seite, gib ihm nichts in den Mund, schau auf die Uhr und verständige über den Notruf 112 ärztliche Hilfe.

  4. Ist das normal?Moderate Evidenz

    Wie viele Infekte im Jahr sind bei einem Baby normal?

    Acht bis zwölf Atemwegsinfekte im Jahr können bei kleinen Kindern normal sein, im Mittel liegen deutsche Kohortendaten für das Säuglingsjahr aber bei 3,4 Infekten. Die Zahl allein entscheidet nichts: Die zuständige Leitlinie hält es ausdrücklich für nicht möglich, einen genauen Grenzwert zwischen noch normal und krankhaft anzugeben.

  5. Mythos-CheckModerate Evidenz

    Braucht mein Baby bei hohem Fieber Antibiotika?

    Nein, die Höhe des Fiebers entscheidet nicht über ein Antibiotikum, denn die meisten fieberhaften Infekte bei Kindern werden nicht von Bakterien verursacht. Ein Antibiotikum hilft nur, wenn eine bakterielle Ursache gefunden oder begründet vermutet wird; die einzige Altersgruppe, in der Fieber selbst sofort zur Abklärung führt, sind Säuglinge unter drei Monaten.

  6. Was tun?Moderate Evidenz

    Hilft Honig gegen Husten, und ab wann darf mein Baby Honig bekommen?

    Honig lindert Husten bei Kindern etwas besser als keine Behandlung oder ein Scheinmedikament, der Unterschied ist aber klein und die Studien schließen erst Kinder ab einem Jahr ein. Im ersten Lebensjahr darf dein Baby keinen Honig bekommen, weil er Sporen enthalten kann, die einen Säuglingsbotulismus auslösen.

  7. Was tun?Moderate Evidenz

    Wann darf mein Kind nach Fieber wieder in die Kita?

    Wie lange dein Kind zu Hause bleiben muss, hängt von der Erkrankung ab und nicht von der Höhe des Fiebers; für gewöhnliche Erkältungsinfekte gibt es keine bundesweit geregelte Frist. Die Leitlinie der Fachgesellschaften empfiehlt einen Tag, an dem dein Kind fit und fieberfrei ist; das ist ein Expertenkonsens, keine Vorgabe des Infektionsschutzgesetzes.

  8. Was tun?Moderate Evidenz

    Mein Kind hat eine Mittelohrentzündung. Braucht es sofort Antibiotika?

    Bei einem Kleinkind ohne Warnzeichen ist es vertretbar, zuerst die Schmerzen zu behandeln und abzuwarten, denn die meisten Mittelohrentzündungen heilen von allein und in den ersten 24 Stunden lindern Antibiotika die Schmerzen nicht. Die deutsche Leitlinie sieht ein Antibiotikum dagegen vor bei schwerer Mittelohrentzündung, in den ersten zwei Lebensjahren bei beidseitiger Entzündung, bei Ohrenlaufen mit anhaltenden Beschwerden und bei Kindern mit Risikofaktoren.

  9. Was tun?Moderate Evidenz

    Was tun bei Pseudokrupp, und wann muss ich den Notruf wählen?

    Bleib ruhig, nimm dein Kind hoch und halte es aufrecht; am besten belegt ist bei Pseudokrupp das ärztlich verordnete Kortison, das die Beschwerden nach den vorliegenden Studien schon nach zwei Stunden lindert. Wähl sofort den Notruf 112, wenn dein Kind in Ruhe schwer Luft bekommt, blau anläuft, beim Atmen stark die Brust einzieht oder nicht mehr richtig ansprechbar ist.