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Stand: 10.09.2026 · Version 3
Kein Ersatz für ärztliche Beratung. Im Notfall 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117.
Fieber & Infekte
Wann und womit soll ich Fieber bei meinem Baby senken?
Senke das Fieber nicht wegen der Zahl auf dem Thermometer, sondern nur dann, wenn dein Kind sichtlich darunter leidet; geeignet sind dann Paracetamol oder, ab einem Alter von drei Monaten, Ibuprofen. Belegt ist damit die Linderung von Beschwerden, nicht ein besserer Krankheitsverlauf, und unter drei Monaten gehört jedes Fieber zuerst in die Praxis.
Redaktionell geprüft, noch ohne Fachreview.
Was nachweislich hilft
Die erste Frage ist nicht, womit du senkst, sondern ob überhaupt.
Fieber bei einer Infektion ist normalerweise selbstlimitierend. Bei zuvor gesunden fiebernden Kindern gibt es keine Indikation, das Fieber wegen der Höhe der Temperatur zu senken.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Fiebersenkende Medikamente sollen nicht mit dem alleinigen Ziel eingesetzt werden, die Körpertemperatur zu senken, sondern nur zur Schmerzlinderung und zur Verbesserung des Befindens. Ibuprofen ab einem Alter von drei Monaten oder Paracetamol können bei stark beeinträchtigten Kindern angewendet werden und sollen nur so lange gegeben werden, wie die Beeinträchtigung anhält.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Von dieser Regel gibt es eine Ausnahme rund um eine Impfung: Die S3-Leitlinie Fiebermanagement rät allgemein von einer vorbeugenden Gabe fiebersenkender Medikamente bei Impfungen ab, verweist dafür in einer Fußnote aber auf die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Diese empfiehlt bei der Meningokokken-B-Impfung für Kinder unter zwei Jahren wegen der erhöhten Reaktogenität des Impfstoffs ausdrücklich eine vorbeugende Paracetamol-Gabe.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025, RKI 2026
Warum das kein Widerspruch zu dieser Antwort ist und welche Studien dahinterstehen, steht in der Antwort zum vorbeugenden Paracetamol vor der Impfung.
Auf der Seite des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (vormals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) steht dazu eine andere Zahl, und diese Abweichung solltest du kennen.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät, nur in Ausnahmefällen und möglichst erst ab einer Körpertemperatur von mehr als 39,0 Grad Celsius mit fiebersenkenden Maßnahmen zu beginnen.
Quellen: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2026
Die S3-Leitlinie von 2025 macht die Fiebersenkung dagegen gar nicht an einer Temperaturschwelle fest, sondern allein am Befinden deines Kindes. Wir folgen hier der neueren S3-Leitlinie: Eine Zahl auf dem Thermometer ist kein Grund zu behandeln, ein leidendes Kind schon.
Wir nennen hier Mengen, weil und soweit die amtlichen Empfehlungen sie selbst nennen. Zu Dosierungen von Fiebermitteln sagen sie nichts über die Packungsbeilage hinaus, deshalb findest du hier bewusst keine Milligramm-Angaben: Wie viel dein Kind bekommt, richtet sich nach seinem Gewicht, die Menge steht in der Packungsbeilage, und im Zweifel fragst du in der Kinderarztpraxis nach.
Paracetamol und Ibuprofen lindern Schmerzen vergleichbar gut und haben ein vergleichbares Sicherheitsprofil. Die reine Temperatursenkung fällt unter Ibuprofen etwas stärker aus als unter Paracetamol.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Für das häusliche Fiebermanagement sollten Bezugspersonen dem Kind regelmäßig Flüssigkeit anbieten und ihm bei Appetit leichte Kost anbieten. Dass das Kind isst, ist zunächst nicht wichtig.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025, DGKJ / AWMF 2025
Bezugspersonen sollten dem Kind ungestörten Schlaf ermöglichen. Ruhig schlafende Kinder mit Fieber sollten nicht für Messungen oder Maßnahmen geweckt werden, brauchen jedoch die wahrnehmbare Nähe einer Bezugsperson.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025, DGKJ / AWMF 2025
Wenn das fiebernde Kind warme Hände und Füße hat, die Wärme also nicht zentralisiert ist, aber unter dem Fieber leidet, können Bezugspersonen bei Unwohlsein Wadenwickel anwenden. Wadenwickel sollten körperwarm sein, um eine Gegenregulation zu vermeiden.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025, DGKJ / AWMF 2025
Kalte Extremitäten und Kreislaufinstabilität gelten als Gegenanzeigen für Wadenwickel. Dieser Satz steht nicht im Konsens-Statement der Leitlinie, sondern in ihrem Fließtext und stützt sich dort auf eine einzelne Übersichtsarbeit (Scoping Review) von 2022.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Im Fieberanstieg friert dein Kind, dann braucht es Wärme und eine Decke. Erst wenn Hände und Füße warm sind, ist ein Wickel überhaupt sinnvoll.
Was nicht hilft
Fiebersenkende Medikamente verhindern Fieberkrämpfe nicht und sollen nicht speziell für diesen Zweck eingesetzt werden. Die zugrunde liegende Cochrane-Übersicht von 30 randomisierten Studien mit 4.256 Kindern enthielt zu Ibuprofen gegen Placebo nur eine Studie von 1998; dort lag das relative Risiko eines erneuten Fieberkrampfs nach sechs, zwölf und vierundzwanzig Monaten bei 1,11, 0,95 und 0,84, jeweils ohne bedeutsamen Unterschied zu Placebo.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Eine zweite Metaanalyse fand in einer Studie einen kleinen Effekt innerhalb derselben Fieberepisode: 9,1 von 100 Kindern mit Paracetamol gegen 23,5 von 100 Kindern ohne bekamen erneut einen Fieberkrampf (Odds Ratio 0,33; 0,19 bis 0,57). Für spätere, entfernte Fieberepisoden fand sie in vier weiteren Studien keinen Hinweis auf eine Wirksamkeit (Odds Ratio 0,92; 0,57 bis 1,48).
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Ob ein Kind auf ein Fiebermittel anspricht, sagt nichts über die Schwere oder die Ursache der Infektion aus. Der Rückgang oder das Ausbleiben eines Rückgangs der Temperatur eignet sich nicht, um eine virale von einer bakteriellen Infektion zu unterscheiden.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Kinder mit Fieber sollten nicht entkleidet oder kalten Umgebungstemperaturen ausgesetzt werden. Das Hauptaugenmerk sollte auf dem Wohlbefinden des Kindes liegen.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025, DGKJ / AWMF 2025
Ein Wechsel zwischen den beiden Wirkstoffen ist kein Standardvorgehen.
Eine alternierende Gabe von Ibuprofen und Paracetamol oder ein Wechsel des Wirkstoffs kann nach ärztlicher Konsultation erwogen werden, wenn das Kind weiterhin beeinträchtigt ist, bevor die nächste Dosis desselben Wirkstoffs möglich und eine korrekte Gabe sichergestellt ist.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Was schadet
Acetylsalicylsäure, bekannt unter dem Handelsnamen Aspirin, darf bei fiebernden Kindern nicht angewendet werden.
Quellen: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2026
Die S3-Leitlinie spricht dazu keine eigene Empfehlung aus. In ihrem Fließtext hält sie fest, dass die Gefahr eines Reye-Syndroms bei Kindern unter zwölf Jahren nicht mehr als wissenschaftlich gesichert gelten kann, aber auch nicht als sicher ausgeschlossen; sie stützt sich dabei auf zwei nicht-systematische Übersichtsarbeiten von 2007 und nennt die Diskrepanz ausdrücklich ungeklärt.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Für dich ändert dieser Vorbehalt nichts: Die praktische Regel bleibt, dass Aspirin bei fiebernden Kindern nichts zu suchen hat.
Ibuprofen kann bei Kindern mit verringerter Nierendurchblutung, etwa bei Austrocknung durch Fieber, Durchfall oder Erbrechen, auch bei korrekter Dosierung ein akutes Nierenversagen auslösen. Die kurzfristige Gabe von Ibuprofen bei Säuglingen über drei Monaten mit einem Körpergewicht von 5 bis 6 Kilogramm gilt nur bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr als sicher.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Ein Überschreiten der Maximaldosis von Paracetamol kann zu einem lebensbedrohlichen Leberversagen führen.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
In einer Metaanalyse mit 27.932 Kindern unter zwei Jahren lag die Rate schwerer unerwünschter Ereignisse bei 1,4 von 100 Kindern für Ibuprofen und bei 1,3 von 100 Kindern für Paracetamol. Der Unterschied war nicht bedeutsam (Odds Ratio 1,08; 0,87 bis 1,33). Die Leitlinie merkt selbst an, dass aus der Metaanalyse nicht hervorgeht, ob die Ereignisse systematisch abgefragt, untersucht oder nur zufällig berichtet wurden.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Der häufigste vermeidbare Fehler ist die Doppelgabe: ein Zäpfchen, dann ein Saft mit demselben Wirkstoff. Notiere, was du wann gegeben hast.
Quellen
- S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen (AWMF 027-074), Langfassung · DGKJ / AWMF, 2025 · Leitlinie · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
- Schutzimpfung gegen Meningokokken: Häufig gestellte Fragen und Antworten · RKI, 2026 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
- Fieber bei Babys und Kindern · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de, 2026 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
- Elternleitlinie zum Umgang mit Fieber bei Kindern und Jugendlichen (AWMF 027-074) · DGKJ / AWMF, 2025 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
Versionshistorie
- v3 · 10. September 2026 · Redaktionell gelesen und freigegeben. (Redaktion)
- v2 · 8. September 2026 · Konsistenzlauf nach der Ausweitung auf 0 bis 3 Jahre: rotes Ampelzeichen der S3-Leitlinie (unter drei Monaten und unter 36,5 Grad Celsius) als eigener Block und in der Liste ergänzt, das „oft“ der Unter-3-Monats-Regel wortgetreu nachgetragen (Redaktion)
- v1 · 5. September 2026 · Erstfassung (Redaktion)
Nächste planmäßige Prüfung: 10. September 2027. Du hältst eine Aussage für falsch? Der Link „Einspruch oder Ergänzung“ steht an jeder Aussage, und jede Entscheidung darüber ist unter Einsprüche öffentlich.
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