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Stand: 09.09.2026 · Version 3
Kein Ersatz für ärztliche Beratung. Im Notfall 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117.
Fieber & Infekte
Was tun bei einem Fieberkrampf, und wie gefährlich ist er?
Ein Fieberkrampf wirkt bedrohlich, hört aber meistens nach wenigen Minuten von selbst auf und bleibt in der Regel ohne gesundheitliche Folgen. Bleib bei deinem Kind, lagere es auf die Seite, gib ihm nichts in den Mund, schau auf die Uhr und verständige über den Notruf 112 ärztliche Hilfe.
Redaktionell geprüft, noch ohne Fachreview.
Was nachweislich hilft
Im Anfall selbst gibt es nichts, was den Krampf abkürzt. Was du tun kannst, ist dein Kind vor Schaden bewahren und Hilfe holen.
Bei einem Fieberkrampf bleibt man beim Kind, bewahrt Ruhe und schaut auf die Uhr, wie lange der Anfall dauert. Das Kind wird möglichst seitlich und stabil gelagert, so dass Mund und Nase frei sind, und die Kleidung wird gelockert, damit es frei atmen kann.
Quellen: DGKJ / Gesellschaft für Neuropädiatrie 2018, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2026
Während eines Fieberkrampfs dürfen dem Kind auf keinen Fall Getränke oder Nahrung gegeben werden, weil es daran ersticken könnte. Das Kind darf wegen der Verletzungsgefahr niemals geschüttelt werden, und kaltes Wasser hilft nicht.
Quellen: DGKJ / Gesellschaft für Neuropädiatrie 2018, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2026
Während des Anfalls soll möglichst rasch über den Notruf ärztliche Hilfe verständigt werden; im Zweifelsfall gilt immer 112.
Quellen: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2026, DGKJ / Gesellschaft für Neuropädiatrie 2018
Nach dem Anfall muss das Kind nach der DGKJ-Elterninformation in der Regel kinderärztlich gesehen und untersucht werden, um eine Hirnhautentzündung oder andere schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (vormals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) formuliert es etwas offener: Das Kind sollte danach unverzüglich kinderärztlich untersucht werden, um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen.
Quellen: DGKJ / Gesellschaft für Neuropädiatrie 2018, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2026
Wenn ein Kind wiederholt einen Fieberkrampf erleidet und der Anfall länger als einige Minuten dauert, ist die Gabe eines Notfallmedikaments sinnvoll. Welches Medikament in welcher Dosierung angemessen ist, verordnet und erklärt die Kinderarztpraxis nach dem ersten Fieberkrampf.
Was nicht hilft
Der naheliegendste Gedanke ist, das Fieber konsequent niedrig zu halten. Er funktioniert nicht.
Fiebersenkende Medikamente verhindern Fieberkrämpfe nicht und sollen nicht speziell für diesen Zweck eingesetzt werden. Die zugrunde liegende Cochrane-Übersicht von 30 randomisierten Studien mit 4.256 Kindern enthielt zu Ibuprofen gegen Placebo nur eine Studie von 1998; dort lag das relative Risiko eines erneuten Fieberkrampfs nach sechs, zwölf und vierundzwanzig Monaten bei 1,11, 0,95 und 0,84, jeweils ohne bedeutsamen Unterschied zu Placebo.
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Eine zweite Metaanalyse fand in einer Studie einen kleinen Effekt innerhalb derselben Fieberepisode: 9,1 von 100 Kindern mit Paracetamol gegen 23,5 von 100 Kindern ohne bekamen erneut einen Fieberkrampf (Odds Ratio 0,33; 0,19 bis 0,57). Für spätere, entfernte Fieberepisoden fand sie in vier weiteren Studien keinen Hinweis auf eine Wirksamkeit (Odds Ratio 0,92; 0,57 bis 1,48).
Quellen: DGKJ / AWMF 2025
Eine medikamentöse Prophylaxe von Fieberkrämpfen wird nicht empfohlen. Eine dauerhafte krampfhemmende Behandlung kann die Rückfallrate zwar senken, ihre Nebenwirkungen überwiegen aber die geringen Risiken einfacher Fieberkrämpfe.
Quellen: RKI 2017
Ein erneuter Fieberkrampf lässt sich auch durch konsequente Fiebersenkung nicht zuverlässig verhindern, weil die Anfälle häufig schon im Fieberanstieg auftreten und deshalb gar nicht vorhersehbar sind. Eltern müssen sich einen weiteren Fieberkrampf ihres Kindes daher nicht vorwerfen.
Was schadet
Der größte Schaden bei einem Fieberkrampf entsteht meist durch das, was in Panik getan wird: Festhalten, Schütteln, etwas in den Mund schieben. Nichts davon hilft, alles davon kann verletzen. Wie gefährlich der Krampf selbst ist, lässt sich dagegen recht klar beziffern.
Fieberkrämpfe betreffen etwa drei bis fünf von 100 Kindern und treten typischerweise zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr auf, besonders häufig im Alter von einem bis drei Jahren. Kinder mit Fieberkrämpfen sind in der Regel normal entwickelt und sonst gesund.
Quellen: DGKJ / Gesellschaft für Neuropädiatrie 2018, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2026
Das Robert Koch-Institut nennt für denselben Sachverhalt etwas andere Zahlen: Im Alter zwischen sechs Monaten und vier Jahren erleiden zwei bis fünf von 100 Kindern mindestens einen Fieberkrampf, mit einem Häufigkeitsgipfel im Alter von 18 Monaten.
Quellen: RKI 2017
In der überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich um einen einfachen Fieberkrampf, der innerhalb weniger Minuten von selbst aufhört. In den allermeisten Fällen geht ein Fieberanfall nach drei bis vier Minuten wieder von selbst vorüber.
Quellen: DGKJ / Gesellschaft für Neuropädiatrie 2018, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2026
Dauert der Anfall länger als fünfzehn Minuten oder treten weitere Auffälligkeiten hinzu, spricht man von einem komplizierten Fieberkrampf, der mit Medikamenten beendet werden muss.
Quellen: DGKJ / Gesellschaft für Neuropädiatrie 2018, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2026
Fieberkrämpfe führen nicht zu einer Schädigung des Gehirns, und Kinder mit Fieberkrämpfen entwickeln sich genauso normal wie Kinder ohne. Das Risiko, später eine Epilepsie zu entwickeln, ist nicht entscheidend erhöht.
Bei etwa einem Drittel der betroffenen Kinder tritt mindestens ein weiterer Fieberkrampf auf. Diese Neigung verlieren die Kinder spätestens im Schulalter.
Quellen: DGKJ / Gesellschaft für Neuropädiatrie 2018, RKI 2017
Quellen
- DGKJ-Elterninformation: Mein Kind hatte einen Fieberkrampf · DGKJ / Gesellschaft für Neuropädiatrie, 2018 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
- Fieber bei Babys und Kindern · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de, 2026 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
- S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen (AWMF 027-074), Langfassung · DGKJ / AWMF, 2025 · Leitlinie · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
- Fieberkrampf nach Impfung: Häufig gestellte Fragen und Antworten · RKI, 2017 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
- Elternleitlinie zum Umgang mit Fieber bei Kindern und Jugendlichen (AWMF 027-074) · DGKJ / AWMF, 2025 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
Versionshistorie
- v3 · 9. September 2026 · Redaktionell gelesen und freigegeben. (Redaktion)
- v2 · 8. September 2026 · Konsistenzlauf nach der Ausweitung auf 0 bis 3 Jahre: rotes Ampelzeichen der S3-Leitlinie (unter drei Monaten und unter 36,5 Grad Celsius) als eigener Block und in der Liste ergänzt, das „oft“ der Unter-3-Monats-Regel wortgetreu nachgetragen (Redaktion)
- v1 · 5. September 2026 · Erstfassung (Redaktion)
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