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Stand: 10.09.2026 · Version 3
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Schlaf
Wann schläft mein Baby durch, und wie viel nächtliches Aufwachen ist normal?
Die Spanne ist riesig: In einer Längsschnittkohorte schliefen je nach Alter und Definition zwischen 27,9 und 57,0 Prozent der Kinder mit 6 und mit 12 Monaten nicht durch, und das alles liegt im Normalbereich. Die meisten Zahlen stammen aus Elternangaben, und die Studien benutzen unterschiedliche Definitionen von Durchschlafen.
Redaktionell geprüft, noch ohne Fachreview.
Normalbereich
„Durchschlafen“ ist kein Zustand, den ein Kind an einem bestimmten Tag erreicht, sondern eine Definition. Je nachdem, wie viele Stunden am Stück man verlangt, verschieben sich die Zahlen erheblich.
In einer Längsschnittkohorte mit 388 Kindern schliefen je nach Alter und Definition zwischen 27,9 und 57,0 Prozent der 6 und 12 Monate alten Kinder nicht durch. Als Durchschlafen galten dabei einmal 6, einmal 8 Stunden ununterbrochener Schlaf, erhoben über Angaben der Mütter.
Quellen: Pediatrics 2018
In einer prospektiven Längsschnittstudie mit 75 unauffällig entwickelten Kindern, deren Eltern zwölf Monate lang jeden Monat an sechs Tagen Schlaftagebuch führten, war die Wahrscheinlichkeit, acht Stunden am Stück zu schlafen, mit 3 Monaten bei 50 Prozent angelangt. Legt man das für Familien alltagsnähere und zugleich strengste Kriterium „von 22 bis 6 Uhr“ an, wurden 50 Prozent erst mit 5 Monaten erreicht. Mit 12 Monaten erfüllten 11 der 75 Kinder die beiden weniger strengen Kriterien nicht und 21 das strengste Kriterium von 22 bis 6 Uhr.
Quellen: Pediatrics 2010
Diese beiden Zahlenwerke widersprechen sich nur scheinbar. Die neuseeländische Studie misst, wann ein Kind ein Kriterium zum ersten Mal erreicht; die kanadische Kohorte fragt an einem Stichtag, ob es in der Nacht davor durchgeschlafen hat. Ein Kind, das mit drei Monaten einmal acht Stunden am Stück geschlafen hat, tut das nicht zwangsläufig in jeder folgenden Nacht wieder.
Eine systematische Übersicht von 34 Beobachtungsstudien errechnete für Säuglinge eine mittlere Gesamtschlafdauer von 12,8 Stunden mit einem Bereich von 9,7 bis 15,9 Stunden. Für das nächtliche Aufwachen reichten die Werte bei 0 bis 2 Monate alten Kindern von 0 bis 3,4 Mal pro Nacht und bei Ein- bis Zweijährigen von 0 bis 2,5 Mal pro Nacht.
Quellen: Sleep Medicine Reviews 2012
Bis zum sechsten Lebensmonat ist mindestens einmaliges nächtliches Aufwachen normal, weil dein Kind nachts eine oder mehrere Mahlzeiten braucht. Die meisten Babys können bis zum Ende des ersten Lebensjahres sechs bis acht Stunden am Stück schlafen.
Quellen: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2025
Aus diesen Zahlen folgt: Ein Kind, das mit zwölf Monaten nachts noch zweimal wach wird, ist kein Ausreißer. Es liegt in einem Bereich, in dem sich ein erheblicher Teil aller Kinder befindet.
Was dahintersteckt
In den ersten drei Monaten schlafen Babys durchschnittlich 16 bis 18 von 24 Stunden, gleichmäßig auf etwa fünf Schlafphasen verteilt. Dass Kinder in den ersten Lebensmonaten mehrmals nachts wach werden, ist nicht nur normal, sondern auch wichtig für ihre Entwicklung: Sie schlafen in diesem Alter fast die ganze Nacht in einem leichten Schlaf, der es ihnen ermöglicht aufzuwachen, wenn sie Hunger haben oder ihnen kalt ist.
Quellen: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2025
Mit etwa vier bis sechs Wochen wird das Schlafverhalten allmählich regelmäßiger, und das Baby beginnt, sich auf einen Tag-Nacht-Rhythmus einzustellen. Bis etwa zum sechsten Lebensmonat bildet sich eine länger zusammenhängende Schlafdauer von sechs Stunden heraus.
Quellen: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2025
Der größte Sprung liegt früh: Zwischen dem 1. und dem 4. Lebensmonat nahm die längste selbstregulierte Schlafphase im Mittel um 504 Minuten zu. Danach verläuft die Entwicklung deutlich flacher.
Quellen: Pediatrics 2010
Bleibt die Frage, ob es einem Kind schadet, wenn es später durchschläft als andere. Dazu gibt es eine Untersuchung, die genau das geprüft hat.
In derselben Kohorte fand sich kein Zusammenhang zwischen Durchschlafen und der geistigen oder motorischen Entwicklung, gemessen mit den Bayley-Skalen im Alter von 6, 12 und 36 Monaten, und auch keiner mit der Stimmung der Mütter. Durchschlafen war dagegen mit einer deutlich niedrigeren Stillrate verbunden; welche Richtung dieser Zusammenhang hat, sagt die Studie nicht.
Quellen: Pediatrics 2018
Das ist eine Beobachtungsstudie, keine Interventionsstudie: Sie zeigt, dass die Kinder, die nicht durchschliefen, sich nicht schlechter entwickelten, und nicht, dass Aufwachen gut ist. Beim Zusammenhang mit dem Stillen ist beides denkbar: dass gestillte Kinder häufiger aufwachen, oder dass Mütter durchschlafender Kinder früher abstillen.
Quellen
- Uninterrupted Infant Sleep, Development, and Maternal Mood · Pediatrics, 2018 · Kohortenstudie · Stufe 3: Primärstudie · DOI 10.1542/peds.2017-4330 · abgerufen 2026-09-05
- Sleeping through the night: the consolidation of self-regulated sleep across the first year of life · Pediatrics, 2010 · Kohortenstudie · Stufe 3: Primärstudie · DOI 10.1542/peds.2010-0976 · abgerufen 2026-09-05
- Normal sleep patterns in infants and children: a systematic review of observational studies · Sleep Medicine Reviews, 2012 · Systematischer Review · Stufe 2: systematischer Review · DOI 10.1016/j.smrv.2011.06.001 · abgerufen 2026-09-05
- Das Wichtigste zum Schlaf im ersten Lebensjahr · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de, 2025 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
- Schlafprobleme bei Babys · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de, 2025 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
- Wirksame Vorbeugung ist möglich – Empfehlungen zum Plötzlichen Kindstod · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de, 2024 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-05
Versionshistorie
- v3 · 10. September 2026 · Redaktionell gelesen und freigegeben. (Redaktion)
- v2 · 8. September 2026 · Konsistenzlauf nach der Ausweitung auf 0 bis 3 Jahre: Querverweis auf ant-0044 (Redaktion)
- v1 · 5. September 2026 · Erstfassung (Redaktion)
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